Normalfall, Vorfall oder Unfall ?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 07/2008

Das ist hier die Frage. Ich möchte Ihnen drei Fälle schildern, wie Funktionäre mit ihren Mitgliedern umzugehen pflegen. Ihnen will ich es dann überlassen, diese Vorgänge einzuschätzen.
Weil ich meine ehrenamtliche Verbandsarbeit so verstehe, dass ich unseren Mitgliedern bei allen Berufsproblemen zu helfen versuche, haben mich diese Fälle besonders irritiert. Daß die Kollegenschaft an der Basis für viele Verbände nur Beitragszahler sind und sonst keinerlei Wahrnehmung bekommen, ist mir nicht neu. Aber diesmal möchte ich darüber berichten. Vielleicht stimmt es viele von uns doch etwas nachdenklich.

Fall 1) Ein versierter Kollege aus Süddeutschland mit über 30jähriger Praxiserfahrung, der in der dortigen Region als Referent immer sehr gefragt ist, bekam am 10.11.06 eine Anfrage der DDH, ob er am 14./15.04.07 auf dem Heilpraktiker-Tag in Essen referieren könne. Das vereinbarte Vortragshonorar € 500,-- und Spesen würden von der Pharmafirma Wörwag gesponsert. Am 01.03.07 wurde der Termin von den DDH bestätigt. Als der Referent seine Abrechnung über insgesamt € 934,-- bei der Firma Wörwag einreichte, bekam er von dort am 03.05.07 die Antwort, es müsse sich wohl um eine Verwechslung handeln. Man habe für die Tagung in Essen kein Referat gesponsert. Daraufhin wandte sich der Kollege, der auch Gründungsmitglied der UDH Rheinland-Pfalz ist, mit Schreiben vom 09.05.07 an seine Präsidentin. Als von dort weder Antwort noch Erledigung erfolgte, schrieb er am 20.06.07 an den großen Präsidenten Zizmann, der ja immerhin 20.000 Hps vertritt. Von dort kam am 21.06.07 die Antwort, sein Anliegen sei nicht verständlich, wo er doch von der Firma Wörwag gesponsert würde. Weder DDH noch gar FDH hätten damit etwas zu tun. Eine Auskunft, wer das Sponsern mit Wörwag vereinbart haben will, gab es nicht. Es folgten noch einige Schreiben an den Präsi9denten Zizmann, die bislang keine Beantwortung fanden (09.01.08, 24.06.08). Folglich wandte sich der inzwischen genervte Referent nochmals telefonisch an seine Präsidentin (UDH) und bekam dort zu hören, man sei bereit, ihm € 300,-- zu gewähren. Damit sei er gut bedient.
Das ist er tatsächlich!
Er wird nie wieder auf einem Hp-Tag referieren, zumal wenn dort nicht einmal das Honorar des Vortragenden aufgebracht werden kann. Veranstaltungen mit "roten Zahlen" sollte man deshalb besser vermeiden. Wenn aber aus Gründen der Gewinnmaximierung - für wen auch immer ? - nicht gezahlt wurde, ist das Verhalten mit "schamlos" noch milde beschrieben.

Fall 2) ereignete sich auf dem Heilpraktiker-Kongreß in Karlsruhe, für den sich die DDH absolute Harmonie verordnet hatten. Alle Hps lieben sich! Verantwortlich Für die Organisation der Veranstaltung war der VDH erstmals unter Feder-führung des Vize-Vorsitzenden Hp Kropmanns, der nach dem Ableben der Diamand-gewordenen Lichtgestalt für den Rest der Legislaturperiode die Amtsgeschäfte leitet. Nur die Tagungsdevise "Harmonie" müssen einige Funktionäre missverstanden haben. Hinter den Kulissen war sie jedenfalls nicht vorhanden.
Der VDH hatte seinen Vorstand und Beirat nach Karlsruhe geladen, um Angemessener zu repräsentieren. So reiste auch ein Beirat aus Niedersachsen an, der mit dem verstorbenen Präsidenten eng befreundet war, ihn bis zu seinem Tode medizinisch versorgt hat und dem Verband über 25 Jahre angehört. Er ist bekannt dafür, dass er eine eigene Meinung hat und die auch zu sagen wagt. Ebenso ist es kein Geheimnis, dass er die ungeschickten Führungsversuche des Stellvertreters kritisch sieht und immer wieder erleben muß, dass diesem die Schuhe seines Vorgängers viel zu groß sind. Diese Einstellung des Beirates muß sich in Karlsruhe schnell herumge- sprochen haben, denn er wurde abends im Restaurant seines Hotels von Spitzenfunktionären der DDH ungebührlich angepöbelt. Anschließend wurde ihm von seinem Vize-Vorsitzenden mitgeteilt, dass er am nächsten Tag Eintritts- karten abzureißen habe. Der Beirat fühlte sich nun absolut provoziert und gedemütigt.Er fuhr mit dem nächsten ICE wieder nach Hannover. Wenn man volle Verbandskassen hat, kann man Beitragsgelder leichtfertig verschleudern und sich derart teure Kartenabreißer leisten.

Fall 3) Tatort: ebenfalls Hp-Tag Karlsruhe.
Die ständig Abmahnverfahren betreibende Präsidentin der UDH versammelte in einem separaten Raum Mitglieder und Funktionäre um sich und erteilte dem von ihr vielbeschäftigten RA T. das Wort. ‚Dieser ereiferte sich über einen erfolgreichen Hp, der eigentlich jedermann durch seine fachlich hervorragenden Vorträge und Bücher bekannt sein dürfte. Er unterstellte ihm gravierende Wettbewerbsverstöße, ja sogar betrügerische Handlungsweise und forderte die Zuhörer auf, den beklagten Kollegen künftig zu meiden, sonst würden sie dafür bittere Konsequenzen zu tragen haben, drohte er.
Als die stellvertretende Vorsitzende des BDHN widersprach und den schutzlos Beschuldigten einen lieben netten Freund und integren Kollegen nannte, wurde sie in rüder Form mundtot gemacht. Später entschuldigte sich die Frau Präsidentin im Kollegenkreis, der RA T. sei ihr leider "aus dem Ruder gelaufen".

Ob wir so, liebe Leser, unseren Berufsstand führen wollen, dürfen Sie ent- scheiden, denn Sie wählen künftig Ihre Funktionäre.
Für Sie mögen dies jetzt Einzelfälle sein. Ich weiß jedoch, dass dem nicht so ist.
Wie lautet nun Ihr Urteil: Normalfall, Vorfall oder Unfall ?