Wollen wir sein wie Ärzte?

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 08/2008

Immer wieder unterstellt der große Vorsitzende - Primus inter pares der DDH-Präsidentenrunde, der sich auch als "Urdemokrat" bezeichnet, allen KollegInnen, die in ihren Praxen Qualitätssicherung anstreben, sie wollten sein wie Ärzte. Insbesondere dann, wenn diese Kollegenschaft nicht die DDH-Funktionäre alimentiert!
Ist das wirklich so? Wollen wir das? Streben wir steril-nüchterne Praxen an, in denen Patienten kurz und bündig abgefertigt werden? Sehnen wir uns nach ärztlichem Praxismanagement mit Chip-Karte und PC?
Nein sicherlich nicht! Trotzdem ist es wichtig, einen Mindeststandard für unsere Praxen festzulegen. Das Ambiente sollte sich wohltuend von der Nüchternheit einer Arztpraxis abheben, ohne jedoch die Hygiene- Richtlinien zu gefährden. Der Patient soll von Beginn an das Gefühl haben, gut aufgehoben zu sein.
Da jede Praxis ein kleiner Wirtschaftsbetrieb ist, kann ein gezieltes kaufmännisches Management nicht schaden. Denn kein Hp lebt von "roten Zahlen". Wenn wir diesbezüglich von den Ärzten lernen können, sollten wir das tun. Neue Verwaltungstechniken sollten wir keinesfalls ablehnen.

Daneben ist es wichtig, dass wir unsere Praxisschwerpunkte klar und deut- lich für jedermann definieren und durch permanente Fachfortbildung belegen. Eine "gläserne Praxis" ist erstrebenswert, wo es für die Patienten durchschaubar ist, wo er behandelt werden soll und wo die Aufsichtsbehörden problemlos kontrollieren können, wie das geschieht.

Wenn nun KollegInnen eine Zertifizierung nach Iso 9001 anstreben und anschließend ganz offiziell bestätigt bekommen, dass sie eine hochqualifizierte Praxis haben, in der alle Voraussetzungen stimmen, ist das eine ganz individuelle Entscheidung des jeweiligen Hp, über die sich niemand mokieren sollte. Funktionäre schon gar nicht! Eher wäre es deren Aufgabe, den Qualitätsstandard im Berufsstand mit allen Mitteln zu fördern und damit unser verbesserungswürdiges Image in der Öffentlichkeit zu stärken. Wenn wir das zweite Standbein in der Gesundheitspolitik sein wollen, müssen wir das durch Qualifikation belegen - sonst nimmt uns niemand ernst!

Strebt man ein Iso 9001-Zertifikat an, ist Vorsicht bei der Auswahl der Prüf- Institution geboten. Nicht jede Gesellschaft, die eine entsprechende Akkreditation hat, verfügt über fachkompetente Auditoren. So ist ein Dr. Dipl.-Ing., der bisher Autohändler geprüft hat, nicht unbedingt die beste Empfehlung für eine Hp-Praxis. Vorsichtig sollte man auch sein, wenn sich ein Hp mit Dr.-Titel als Auditor anbietet. Wenn wir nun einmal nicht sein wollen wie die Ärzte, bedarf es bei der Qualitätssicherung auch keiner Dres. h.c., die ihr Selbstwertgefühl stützen müssen.
Also Augen auf bei der Wahl der Auditoren!

Unserem großen Vorsitzenden und seinen Funktionären sei noch einmal gesagt, Hps, die sich um Qualitätssicherung bemühen, sind deshalb noch keine Ärzte. Auch beim Golfen soll Qualität und Können gefragt sein!