Höhere Arznei-Ausgaben

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 09/2008

Unlängst brachten die Medien wieder eine Horrormeldung über das Gesundheitswesen: die Preise für Arzneimittel laufen davon!
Trotz aller Sparbemühungen, so hieß es, stiegen die Ausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Mrd. auf mindestens 28 Mrd.
Begründet wurde der höhere Verbrauch von Medikamenten mit der Zunahme von "Volkskrankheiten" wie Herz-Kreislauf, Diabetes mell., Allergie und Krebs.
Und natürlich die Alten!
Sie leben zu lange - ein Rentner hat heute nach dem Ruhestand eine Lebenserwartung von über 20 Jahren - und haben einen zu hohen Medikamentenverbrauch.
Betont wurde ausdrücklich, daß die Verschreibungspraxis der Ärzte nicht die Ursache des Kostenanstiegs wäre.
Da fragt sich nun der unbedarfte GKV-Durchschnittspatient, der letztlich zur Kasse gebeten wird: "Woran liegt es denn nun wirlich? Wir hatten doch gerade erst eine Gesundheits- reform?"
Haben die Reformer nicht richtig gerechnet?
Gestrichen haben sie den Bürgern doch genug!
Vertraut er auf naturheilkundliche rezeptfreie Präparate, muß er sie selbst bezahlen. Der Hausarzt - eingebunden in ein unüberschaubares Punktesystem - darf ihm im Quartal nur Medikamente für € 11,66 verschreiben, sonst wird er selbst zur Kasse gebeten. Der Apotheker ist verpflichtet zu prüfen, ob er das vorgelegte Rezept mit Generika bedienen kann, um Kosten zu sparen. Außerdem wurden fast alle Mittel für Prävention gestrichen. Wer Vorsorge treffen will, darf sie selbst bezahlen, IGe-Leistungen!
Aber es reicht trotzdem nicht! Prämienerhöhungen der GKV sind seit Wochen im Gespräch. Fehler aber, die bei der Gesundheitsreform gemacht wurden, werden nicht korrigiert. Ob der ab 01.01.09 geplante Gesundheitsfond ein Gewinn oder Flop ist, muß sich erst heraus- stellen. Gewiss ist aber schon heute, daß es für den Patienten teurer wird.
Teurer sind Medikamente auch deshalb geworden, weil man mit der letzten Reform den Wettbewerb auf dem Pharmasektor unterbunden hat. Indem man für die GKV-Erstattung alle rezeptfreien Pharmaka ausschließt, drängt man die günstigen Präparate vom Markt. Den sich daraus ergebenden Preisanstieg kann man mit der Verordnung von Generika nicht ausgleichen.
Der größte Preistreiber war der Staat selbst. Durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer hat er regelrecht eine Preislawine auf dem Pharmamarkt ausgelöst. Würde er jedoch - wie für Hundefutter und Zeitungen - den Steuersatz auf 7 % senken, ergäbe sich eine jährliche Ersparnis von € 2,8 Mrd. Diese Maßnahme wäre schon insofern sinnvoll, weil der Staat hier das Geld nur von einer Tasche in die andere schiebt. Denn letztlich muß er für die fehlenden Gelder im Gesundheitswesen einspringen.
Die hier angesprochene Verteuerung der medizinischen Versorgung ist eine Tatsache. Die Begründung dafür ist nur ein Vorwand. Nicht die zunehmenden "Volkskrankheiten" oder der älter werdende Rentner sind die Ursache, sondern die politische Umsetzung der Reformen, deren Sinn im Parlament nicht ausdiskutiert, sondern nach Fraktionszwang beschlossen wird. Daraus resultieren die vielen Mängel der letzten Gesundheitsreform. Die meisten Abgeordneten wußten gar nicht, wofür sie eigentlich gestimmt haben. Also muß dieses Problem auch politisch gelöst und nicht nur auf dem Rücken der Bürger ausgetragen werden, weil man diese so leicht und bequem abzocken kann.
Vielleicht sollten wir alle bei künftigen Wahlen dies einmal bedenken.