Zertfiziert!

von Hp Wilfried Pieper


Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 09/2008

Am 10.09.08 haben die ersten sieben Praxen unseres Verbandes ihr Zertifikat nach Iso 9001 bekommen. Wir gratulieren diesen KollegInnen ganz herzlich.
Was bedeutet diese Zertifizierung nun für eine Naturheilpraxis? Bisher war unser Image in der Öffentlichkeit eher negativ. Man rückt uns immer wieder in die Nähe von Hexer, Heiler und Scharmanen, wie es ja auch ein prominenter FDH-Spitzenfunktionär in der Bild-Zeitung kund tat. Durch derart schlechte PR oder gar keine nimmt man unseren Berufsstand einfach nicht richtig wahr. Hinzu kommt, daß uns immer wieder vorgehalten wird, wir hätten keine geregelte Ausbildung und seien deshalb bestenfalls Quacksalber, die nur mit Placebos hantieren würden. Eventuelle Heilerfolge seien rein zufällig.
Unser kleiner Verband kämpft seit Jahren gegen dieses Negativ- Image an. Wir wollen gut ausgebildete Mitglieder, die in ihren Praxen einen hohen Qualitätsstandard haben. Keinesfalls aber streben wir eine Kopie von Arztpraxen an. Schon im Ambiente sollen sich unsere Räumlichkeiten unterscheiden und den Patienten sofort Geborgenheit vermitteln. Aber von einer zertifizierten Praxis wird verlangt, daß sie ein straffes Management führt, in dem alle Abläufe kontrolliert geregelt sind. Das betrifft die kaufmännisch-wirtschaftliche Organisation, die Personalführung - soweit erforderlich -, Praxishygiene und nachvollziehbare Leitfäden für die jeweils angebotenen Therapien. Alles wird in einem Handbuch fixiert, das jährlich mit einem Kontrollaudit überprüft wird. Wir haben somit eine "gläserene" Praxis. Alles ist überschaubar, sowohl für unsere Patienten als auch für unsere Aufsichtsorgane. Das Handbuch gibt zudem Auskunft darüber, wie sich der Therapeut weiterbildet.
Der Einstieg in dieses Zertifizierungssystem war nicht einfach. Zunächst hatten wir jahrelang verhandelt, um schließlich für Ausbildung im Qualitätsmanagement und für das anschließende Audit einen Preis zu erzielen, der für die Mehrzahl der Hp erträglich ist. Würden alle Verbände die Zertifizierung aufgreifen und damit eine flächendeckende Qualitätssicherung betreiben, wäre das sicherlich für eine noch geringere Gebühr möglich, die letztlich für uns alle erschwinglich wäre.

Gespräche, die unser Vorstand unlängst mit Politikern hatte, haben wieder einmal aufgezeigt, daß man uns Hp in der Gesundheitspolitik nur akzeptiert, wenn wir einen Qualitätsnachweis erbringen. Dieser Meinung werden sich nach und nach auch alle Leistungsträger (PKV, Beihilfe, Post) anschließen. Deshalb können wir unsere wirtschaftliche Zukunft nur sichern, wenn wir den Qualitätsstandard unserer Praxen belegen können!