Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 1/2009

Liebe Mitglieder,
zunächst hoffe ich, daß das neue Jahr für Sie gut begonnen hat.

Ich will durchaus nicht immer unken, aber einige Vorkommnisse, die nicht so recht ins heile Bild des Berufsstandes passen wollen, müssen einfach angesprochen werden.
Ein Beispiel dafür ist die Präsidentenwahl im VDH. Wie schon beim verstorbenen Diamant gewordenen Präsidenten war auch diesmal eine demokratische Wahl, die allen Mitgliedern ein Stimmrecht gibt, nicht gefragt. Ein Kandidat, der von der kleinen Gruppe der Fachfortbildungsleiter "gewählt" wurde, stand von vornherein fest. Das Ergebnis war mir schon vorher bekannt. Nachdem alle anderen Vorschläge für den Vorsitz abgebügelt waren, trat es auch so ein.
Verwundert bin ich immer wieder, daß Verbandsmitglieder so mit sich umspringen lassen. Sie dürfen brav Beitrag bezahlen, werden aber für derart wichtige Entscheidungen wie die Wahl des 1. Vorsitzenden überhaupt nicht gefragt. Auch sonst ist ihre Meinung unwichtig.
Aufgestoßen ist mir auch der unfeine Stil, in der der FH-Präsident die KOOP und die daraus hervorgegangene EFN diffamiert. Gerade den Großverbänden ist anzuraten, vor der eigenen Haustür zu kehren, ehe man Funktionäre madig macht, die wirklich noch ehrenamtlich und eifrig für den Berufsstand kämpfen. Hier darf doch in diesem Zusammenhang die Frage erlaubt sein: Was tut die DDH in der Europapolitik? Welche Verbindungen pflegt sie zu den Naturheilern unserer Nachbarländer? Warum wehrt sie sich so vehement gegen eine qualitativ hochwertige Hp-Ausbildung?
Warum lehnt sie grundsätzlich die Praxis-Zertifizierung ab?
Warum bekämpft sie vehement alle Funktionäre, die sich um all diese Dinge bemühen in der Absicht, unseren Berufsstand zukunftssicher zu machen? Auf diese Fragen hätte nicht nur ich gern eine Antwort.
Immer wieder lese ich von dem großen Vorsitzenden Zizmann, daß er mehr als 22.000 Hp(?) vertritt, aber nie, was er für sie tut. Nur bei denen, die er nicht vertritt - nach seiner Lesart die "Bösen", weiß er, daß sie auch Böses tun, nämlich den Berufsstand zerstören, aufsplittern in kleine Fachgruppen, die die Herrschaft (seine !) der DDH anzweifeln. Außerdem sind diese kleinen Gruppierungen so frech, daß sie ihre Mitglieder gründlich ausbilden wollen. Er mokiert sich über den BDH, der angeblich seine Praxen sogar bürokratisiert, so daß seine Mitglieder vor lauter Kontrollmaßnahmen gar nicht mehr zur eigentlichen Arbeit kommen. Dieser Spruch von einem Spitzenfunktionär, der so gut alimentiert wird, daß er gar nicht mehr in seiner Praxis arbeiten muß, ist einfach Spitze ! Die Verhöhnung aller Hps, die sich täglich um kranke Menschen bemühen!
Aber auf ein Wort, Herr Zizmann, würden Sie wirklich den Berufsstand so gut führen, wie Sie stets behaupten, gäbe es keine Splitterverbände!
Es ist Ihnen leider nicht gegeben,die Heilpraktikerschaft zu einen!
Jedenfalls nicht mit Hohn und Spott über Andersdenkende!

Die Ruhe über die Feiertage hat mich angesichts der vielen Funktionärsquerelen, die ich nun schon ein Vierteljahrhundert erlebe, darüber nachdenken lassen, welche Zukunft der Hp-Beruf überhaupt hat.
Dabei mache ich mir auch immer wieder Gedanken über die berufspolitische Ausrichtung unseres kleinen Verbandes. Sieben engagierte ostwestfälische Kollegen haben vor fast 16 Jahren einen Verein gegründet, der Hilfestellung geben sollte bei allen Praxisproblemen, insbesondere bei Leistungsdifferenzen mit der PKV. Die Großverbände hatten das sträflich vernachlässigt, so daß wir hier eine Lücke gefüllt haben. Vor allem haben wir das Gutachterunwesen bekämpft und inzwischen durch höchstrichterliche Urteile eingegrenzt. Damit stehen wir im Gegensatz zur DDH, deren Präsidenten es bis heute begünstigen und sich sogar einen "Obergutachter" leisten. Auch in anderen berufspolitischen Themen stehen wir konträr zur DDH, wie bereits oben geschildert. Wir haben die Zertifizierung nach Iso 9001 im Berufsstand angestoßen und die ersten Praxen inzwischen zertifiziert.
Wir legen größten Wert auf qualifizierte Ausbildung und arbeiten in der EFN an einem Konzept mit, das eines Tages europaweit Anwendung finden könnte. Außerdem war es uns immer ein Anliegen, auf Mißstände im Berufsstand hinzuweisenund Abänderung einzufordern. In der Präsidenten-Runde sind wir deshalb nicht besonders beliebt. Lt. Präsident Zizmann zählen wir auch zu den "Bösen".
Von Beginn an - als Gründungsmitglied - habe ich für unseren Verband die Geschäftsführung gemacht und unsere Berufspolitik maßgeblich mitgestaltet. Als noch schaffender Renter bin ich zwar noch nicht müde, aber jederzeit bereit, jüngeren Kollegen die Verantwortung zu übertragen. Mein Wunsch ist nur, daß wir hilfsbereit für die Kollegenschaft weiterarbeiten (Nomen est omen !), ein kleiner, aber tatkräftiger Verband bleiben, der nicht der Versuchung erliegt, sich wahllos durch Mitglieder aufzublähen, um Geld zu verdienen, um seine Funktionäre gut zu alimentieren. Dann gäbe es keinen Unterschied mehr zu den Großverbänden, und unsere bisherige Arbeit wäre umsonst gewesen. Aber als gute Demokraten wollen wir auf unserer JHV am 04.04.2009 über unsere berufspolitische Zukunft abstimmen. In der Vorstandswahl können wir dann das geeignete Führungs- personal bestimmen. Ich wünsche mir eine zahlreiche Beteiligung. Schließlich wollen wir demokratisch über die zukünftige Verbandsarbeit entscheiden.
Engagement ist gefragt ! Jeder muß mitarbeiten bei dem Bemühen, die Existenz unserer Praxen zu sichern.
Wenn ich aber sehe, daß auf 10.000 Fragebogen zum Leistungsverhalten der PKV keine hundert Rücksendungen eingehen, ist das nicht die Mitarbeit, die ich meine!
Dieses Phlegma können wir uns einfach nicht leisten!!
Sofern ich immer wieder zu Idealismus, Gemeinsinn, Einigkeit und persönlichem Engagement aufrufe, will ich Sie nicht langweilen, sondern motivieren.
Anders können wir unseren schönen Beruf nicht zukunftsischer machen.