Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 2/2008

Liebe Mitglieder, wenn es meine Zeit zulässt, lese ich auch gern die Fachzeitungen anderer Verbände, insbesondere die Editorials. Immer wieder interessant und amüsant sind da die Beiträge, des Kollegen Liebau, manchmal etwas abgehoben, mehr für die Philosophen unter den Hp. Ganz anders dagegen das Editorial des FDH-Präsidenten. Sofern er sich nicht selbst lobt, redet er alle Probleme im Berufsstand schön. Vielfach so rosig, dass man annehmen möchte, dass er die Arbeit an der Basis gar nicht mehr kennt und sicherlich schon lange nicht mehr in einer Naturheilpraxis gewesen ist. Dafür beklagt er sich in seinem Dezember-Beitrag über die schwere Arbeit eines Präsidenten, die schon frühmorgens um 5:45 h arg auf seine golf-gestählten Schultern drückt. Dann muß er auch noch tagsdarauf um 4:30 h geweckt werden, um nach Berlin zu fliegen, wo er mit Politikern über die gesundheitspolitische Großwetterlage schwätzen möchte.

So ganz verstehe ich die Klage nicht. Schließlich gibt es doch für sein Amt eine großzügig bemessene Aufwandsentschädigung und Spesen dazu. Wenn ich richtig informiert bin, auch ein Geschäftsführergehalt sowie einen Rentenanspruch. Also eine Versorgung, die sich kein Hp in seiner Praxis erarbeiten kann. Eigentlich sollte man meinen, dass für dieses fürstliche Salär Leistung zu erwarten ist. Vielleicht sogar Dienstreisen mit frühzeitigem Aufstehen. Doch es ist Sache des FDH, wie er seine Funktionäre bezahlt und welches Engagement er dafür verlangt. Aber für den Berufsstand wäre schon interessant: mit wem spricht er über uns in Berlin ? Hatte er einen Besuchstermin bei Frau Schmidt? Worüber hatte er überhaupt gesprochen? Welche Probleme standen auf der Tagesordnung ? Oder hatte er gar keinen festen Termin?

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass wir in der bundesdeutschen Gesundheits- politik mangels kompetenter Vertreter überhaupt nicht wahrgenommen werden. Unser Image in der Öffentlichkeit sinkt. Angriffen in den Medien gegen uns wird nicht ernsthaft widersprochen. Gerade in jüngster Vergangenheit waren es die kleinen Verbände oder Einzelkämpfer, die sich gegen die üblen Verleumdungen öffentlich gewehrt haben. Die mit sich selbst beschäftigte Präsidentenrunde, wo jeder seiner eigenen Ambition nachgeht, hat sich nicht nachdrücklich zu Wort gemeldet.
Wir haben eben keine Lobby!
Dafür aber eine Präsidentin, die mit großem Eifer und Zeitaufwand alle Hp verfolgt, die möglicherweise nicht ganz korrekt für ihre Praxis geworben haben. Auch Gering- fügigkeiten werden hart verfolgt. Da hat sich z.B. ein Kollege im Internet abbilden lassen. Auf dem Bild ist auch ein Stetoskop zu sehen. Für dieses Vergehen - eine Lapalie! - berechnet das Anwaltsbüro, das ständig von der Union eingesetzt wird, rund € 900,--, basierend auf einem Streitwert von € 13.500,--. Hier ist doch wohl etwas faul ! Fast wöchentlich rufen mich KollegInnen an und berichten, dass sie für Geringfügigkeit in dieser Größenordnung abgemahnt wurden, immer von der gleichen Kanzlei. Soll hier ein RA saniert werden oder verdient auch die Union daran?

Sicherlich, es ist nicht immer einfach, in der Werbung HPG, UWG und HWG richtig auszulegen. Aber kann man diesen Wettbewerbsverstößen nicht anders begegnen ? Auch ich bin häufig damit befasst, unachtsame Kollegen abzumahnen. Doch das lässt sich mit einem kollegialen Schreiben und einer Unterlassungserklärung regeln. Zum Nulltarif für Einsichtige, mit Kosten erst, wenn sich jemand stur stellt und damit selbst ein Verfahren heraufbeschwört. Aber selbst dann sind hohe Streitwerte - s.o. - nicht angesagt.

Für weit schlimmer halte ich die zunehmende Werbung obskurer Institute oder Ver- sicherungen, die mit unserem Berufsstand nichts gemein haben und in der Grau- zone Patienten fischen möchten. Hier darf natürlich keine Nachsicht gelten. Aber im Kollegenkreise sollte man sich anders verhalten als die Unionspräsidentin, die wahrscheinlich gar nicht weiß, wie mühsam ein Behandler ein Strafgeld von € 900,-- verdienen muß. Für ihn wäre es weitaus besser, er würde dieses Geld in die Fortbildung oder Zertifizierung seiner Praxis stecken. Nur diese Themen sind dem DDH unbequem. Gerade erst haben sie einen Verband ausgeschlossen, der dies fordert.

Ich will keineswegs "brutalstmöglich" - wie man heute in der Politik sagt - polarisieren, aber über Missstände, die mir bekannt werden, will ich auch nicht schweigen. Außerdem stehen Spitzenfunktionäre, die uns in der Öffentlichkeit vertreten wollen, nun einmal in der Kritik. Wer ein Präsidenten-Amt sucht, muß damit leben!

Unser Verband ist zu klein, um die anstehenden Probleme selbst zu meistern. In den 15 Jahren unseres Bestehens haben wir allerdings schon vieles bewirken können. Wir haben bei höchsten Gerichten wichtige Urteile für den Berufsstand erzielen können. Wir hatten große Erfolge bei Leistungsdifferenzen mit der PKV. Das Gutachterunwesen, das wir nach wie vor bekämpfen, konnten wir eindämmen. Jetzt bieten wir dem Berufsstand die Zertifizierung nach Iso 9001 an und fördern damit die Qualifizierung der Naturheilpraxen.

Auf dieser Schiene werden wir weiterarbeiten. Dazu gehört auch, dass Sie einmal im Monat von mir an dieser Stelle aufbauende Kritik lesen. Missstände dürfen nicht vertuscht werden. Unser Berufsstand benötigt dirngend bessere Führung und ein positives Image.