Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 2/2010

Liebe Mitglieder,
vielleicht erinnern Sie sich, dass ich in der Vergangenheit häufiger auf die Praxiszertifizierung nach ISO 9001 hingewiesen habe. Es handelt sich dabei keineswegs um eine Auflage der EFN, wie der Verband FH meint, sondern einzig und allein um eine freiwillige Maßnahme jeder interessierten Praxis. Niemand wird gezwungen! Jeder entscheidet individuell für sich, ob er eine „gläserne“ Praxis haben möchte oder nicht. In unserem Verband konnte ich bereits 2008 für einige Mitglieder die Zertifizierung organisieren und bin auch jetzt jeder Zeit zur Beratung bereit.

Wir alle wissen um die vielen gesetzlichen Auflagen, die wir bei unserer Arbeit zu berücksichtigen haben, wie z.B. Hygiene-Richtlinien, Berufsgenossenschaft (falls Mitarbeiter vorhanden), HPG und Finanzamt. Bei der Zertifizierung werden alle diese Auflagen gebündelt, hinzu kommen alle Maßnahmen der Fachfortbildung, Schilderung der angebotenen Therapien, Praxiseinkauf, Personalführung, Buchhaltung und Praxismanagement. Das Ganze wird zusammen gefasst in einem Handbuch, das einen einmaligen bürokratischen Aufwand bedeutet. Dafür sind anschließend alle Vorgänge in Ihrer Praxis übersichtlich und für jedermann nachvollziehbar, ob Aufsichtsbehörde oder Patient. Auch gegenüber den Leistungsträgern (PKV, Beihilfe, Post) kann man mit einer zertifizierten Praxis punkten.

Das Handbuch wird in einem QM-Seminar ganz individuell für die jeweilige Praxis erstellt. Allerdings ist der Preis für die Zertifizierung für viele Praxen immer noch eine große Hemmschwelle. Für Kleinpraxen mit geringem Umsatz ist diese Profilierung nicht sinnvoll, weil zu teuer. Ebenso könnten Praxisinhaber im fortgeschrittenen Alter, die nur noch kurzfristig arbeiten wollen, darauf verzichten. Wer aber auf der Höhe seiner Schaffenskraft steht und noch viele Arbeitsjahre vor sich hat, sollte über eine zusätzliche Qualifizierung ausgiebig nachdenken.

Qualifizierung in jeder Form ist ganz wichtig. Unser Image als Hp leidet darunter, dass wir keine geregelte Ausbildung haben. Immer wieder wird uns vorgeworfen, dass wir nach einem kurzen Amtsarztbesuch heilen dürfen. Wir wissen, dass das nicht stimmt. Im Gegenteil, die Überprüfung ist zu einer medizinischen Fachprüfung mutiert. Aber die Leute, die uns schaden wollen und in der Regel eine starke Lobby haben, münzen diese Situation zu ihrem Vorteil um, indem sie sie ins Gegenteil verkehren. Und je mehr Europa zusammen wächst, wächst die Gefahr, dass wir Hp unseren HPG-geschützten Sonderstatus verlieren könnten. Hier kommt jetzt wieder die EFN ins Spiel. Sie arbeitet seit Jahren an einem Ausbildungsprinzip mit Bachelor- oder Master-Abschluß. Daraus soll kein Arzt zweiter Klasse werden, sondern ein Naturheilkundler mit profunden Kenntnissen, der über den Vorwurf mangelnder Qualifikation erhaben ist. Natürlich würde ein Abschlußexamen in Deutschland die Überprüfung beim Amtsarzt nicht ersetzen. Sie würde allerdings den Kandidaten wesentlich leichter fallen. Die Naturheilkundler der Schweiz haben bereits ein derartiges Ausbildungsprogramm erarbeitet, das mir vorliegt. Dies könnte ein wichtiger Baustein sein für eine Ausbildung, die allen Europäern gerecht wird, sofern man sie auf die Belange der einzelnen Länder abstimmt. Dieser Prozess läuft zur Zeit und verspricht Erfolg.

Es wurden bereits fast in allen EU-Ländern Hochschulen gefunden, die dieses Studium anbieten wollen.Es wäre schön, wenn in Deutschland alle Verbände – auch die DDH – dieses Schulungsprogramm unterstützen würden. Es ist nämlich absehbar, dass künftig in Brüssel die Entscheidungen über die Naturheilkunde fallen werden. Für bestehende Praxen wird das Studium nicht mehr in Frage kommen, weil man sich um eine Bestandssicherung kümmern wird. Aber unser Nachwuchs wird sich entsprechend qualifizieren müssen.

Also, liebe Freunde, denken Sie stets an Ihre Fachfortbildung!