Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2008

Liebe Mitglieder,

wenn ich den großen Präsidenten der FDH in einem seiner Editorials richtig verstanden habe, erhebt er den Anspruch über 20.000 HPs zu gebieten. Damals habe ich diese hohe Zahl schon angezweifelt. Selbst wenn damit die Mitglieder aller DDH-Verbände angedacht sind, kann die Zahl nicht stimmen, denn die Gesundheitsämter geben eine Auskunft, die deutlich niedriger liegt. Darin sind dann aber auch die HPs enthalten, die nicht in den DDH-Verbänden organisiert sind, sowie unser Dachverband und wir.

Nehmen wir aber einmal an, der Präsident würde tatsächlich über das Beitragsaufkommen von 20.000 HPs verfügen, wären das in etwa 4 Mio. €. Eine stolze Summe, bei der man schon einmal fragen darf, wie sie verwendet wird. Wie hoch belaufen sich die Verwaltungskosten (Mieten, Personal etc.)? Wieviel wird für die Alimentierung der Funktionäre ausgegeben? Gibt es auch ein Konzept für gemeinsame PR-Aktionen, die das Image unseres Berufsstandes in der Öffentlichkeit heben? Oder wirtschaftet jeder Verband undurchsichtig für sich? Dann ergibt sich noch die Frage: wie viel wird mit Schulung und Kongressen verdient?

Als ehemaliger Rechnungsprüfer des VDH musste ich seinerzeit feststellen, dass diese Einnahmen in gesondert gegründete GmbH`s flossen und dem Verband nicht zur Verfügung standen. Ist das heute auch noch so? In wessen Taschen versickert dieses Geld?

Ganz abgesehen davon plädiere ich für 2-3 Großveranstaltungen im Jahr, die dann von der Messe-Gesellschaft so korrekt abgerechnet werden, wie es in Düsseldorf üblich ist. Weniger, aber gut ausgestattete Kongresse sind mehr, als wenn jeder Regionalverband eine Tagung macht, die nichts zu bieten hat. So wie zum Beispiel der Niedersächsische Naturheilkunde-Kongreß vom 23.02.08, der in seiner Einladung mit einer Industrie-Ausstellung von 50 Teilnehmern warb. Anwesend gezählt wurden aber nur 37. Entsprechend schwach war der Besuch. Ganz abgesehen davon, dass man sich als Teilnehmer verschaukelt fühlt, sind schwache Veranstaltungen für die Pharma-Industrie nicht attraktiv. Sie kann aus Kostengründen nur noch Kongresse wahrnehmen, die auch ein Anziehungsmagnet sind. Wo jedes Mal einige tausend Besucher zu erwarten sind. Dazu zählen dann Programme, die sich nicht nur mit Fortbildung befassen, sondern auch die Gesundheitspolitik berühren. Politische Entscheidungen müssen diskutiert werden, um das Augenmerk der HP für unsere Position im Gesundheitswesen zu schärfen. Täglich gibt es Veränderungen, neue Gesetze, europäische Einflussnahme und Einschränkungen im Pharmaangebot. Darüber muss man sprechen!
Wichtig sind ebenso Instruktionen über die Wirtschaftlichkeit unserer Praxen. Existenzsicherung für die Zukunft! Jeder dieser Kongresse muss offen sein für alle naturheilkundlichen Therapeuten, aber auch für alle Bürger, die sich für unseren Berufsstand, unsere Therapien und die Naturheilkunde interessieren.
Unlängst durfte ich zur Kenntnis nehmen, dass auch Spitzenfunktionäre "Meine Meinung" lesen. Etwas weinerlich beklagte sich der Vize-Vorsitzende des VDH, der jetzt bis zum Ende der Legislaturperiode die verstorbene diamantene Lichtgestalt vertritt, dass ich ihn nicht als Präsidenten anerkannt habe. Dafür übersandte er mir extra die VDH-Satzung, die mir jedoch noch hinreichend bekannt ist. Sie war eigentlich nur die Richtlinie für den Scharnick-Wahlverein, hatte aber nie einen demokratischen Ansatz.

Sofern der Herr Vertreter das ändern will, um sich demnächst von der Jahreshauptversammlung demokratisch zum 1. Vorsitzenden wählen zu lassen, wird er selbstverständlich meine Anerkennung haben. Sogar meine Unterstützung, wenn er darüber hinaus bereit sein sollte, sich für Reformen im Berufsstand zu engagieren und Missstände zu beseitigen.

Aber ein "Weiter so" - Postenkungelei, Mauscheln mit GmbH`s, Verschleierung der Finanzen - werde ich immer öffentlich kritisieren. Unser Berufsstand muss sich endlich von diesen Machenschaften befreien!