Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 3/2009

Liebe Mitglieder,
nun haben wir in Deutschland weltweit das teuerste Gesundheitssystem. 165 Milliarden sollen aus dem Fonds verteilt werden. Aber die medizinische Versorgung unserer Patienten ist nur Mittelmaß.
Also läuft irgendetwas falsch!
Die Krankenversicherung, die jetzt in den Fonds gezahlt werden muss, ist gestiegen, aber die medizinische Gegenleistung gesunken. Die Milliarden, die Frau Schmidt den Ärzten versprochen hat, kommen irgendwie nicht an. Die Doctores sind sauer, streiken, verlangen von den Patienten Vorkasse oder „IGELN“ mehr denn je. Hinzukommen deutlich verkürzte Behandlungszeiten, 6 – 12 Minuten pro Patient. Außerdem erfüllt die Menschen die Hochleistungsmedizin immer mehr mit Unbehagen. Die fürsorgliche Betreuung der Patienten bleibt auf der Strecke. Besserung in diesem System ist nicht in Sicht!
Welch eine Bewährungsprobe für uns Hp!
Wenn wir sie nur zu nutzen wüssten!!
Dabei bieten wir den Patienten alles, was sie heute bei der Schulmedizin vermissen: die nötige Zeit für eine sorgfältige Diagnose, zahlreiche erfolgreich erprobte Therapieformen, keine überflüssige Apparatemedizin, sondern sanfte Medizin. Unsere Therapeuten können zuhören und nehmen Anteil am Schicksal ihrer Patienten. Unsere Praxen sind gut aufgestellt und stehen fachlich auf einem hohen Qualitätsniveau.

Nun frage ich mich immer wieder, warum ist unser Image in der Öffentlichkeit so schlecht? Warum wähnt man uns stets in der Nähe von Scharlatanen, Geistheilern (?) und Hexen?
Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Wir machen für unseren Berufsstand eine schlechte PR oder geben gar kein Geld dafür aus! Wenn sich Funktionäre des FDH in der Bildzeitung selbst als Hexer, Heiler und Scharmanen bezeichnen, wie in der Vergangenheit geschehen, fördert das gewaltig unser Negativ-Image. Dann müssen all die anderen, die uns nicht mögen, nicht mehr dazu beitragen. Anstatt in der Öffentlichkeit mit einer Stimme zu sprechen, pflegen wir in unserem Berufsstand innere Querelen! Der Primus-Präsident des DDH teilt uns zunächst in „gut“ und „böse“ ein. Nun jammert er, dass sich Gruppierungen wie TCM, Homöopathen, Osteopaten, Chiropraktiker u.a. abspalten wollen. Würde er sein Präsidentenamt mit der gebotenen Autorität ausfüllen, könnte er diese Querelen verhindern und die gebotene Einigkeit garantieren. Ein anderer Präsident, dessen Verband das Wort „Frei“ im Namen führt, der selbst stets von „Freiheit“ tönt und sogar keine Schwelle zu den Geistheilern sieht, gesteht aber den KollegInnen nicht die Freiheit zu, ihre Praxisleistungen durch gezielte Weiterbildung zu verbessern. Nun halte ich das Punktesammeln des BDH auch für Unsinn, weil es keine Qualifizierung belegt. Aber jeder Hp, der bemüht ist, seine Ausbildung zu verbessern oder seine Praxis zertifizieren zu lassen, sollte nicht daran gehindert oder gar bekämpft werden, sondern man sollte mit jeder Qualitätsverbesserung in der Öffentlichkeit für unseren Berufsstand werben.

Nicht die Hp, die nicht Stromlinien förmig mit den großen Vorsitzenden mit- schwimmen, diskriminieren oder gefährden gar unseren Berufsstand, wie er uns immer wieder predigt und dabei nie vergisst, seine „hervorragende“ Arbeit zu erwähnen, sondern die Spitzenfunktionäre um ihn herum, die in Lethargie verharren und die Gefahren, die uns außen drohen, gar nicht wahrnehmen. Erst haben sie verschlafen, dass man uns die Neuraltherapie genommen hat (Zitat Zizmann: „Nur ruhig Blut, keine Panik, abwarten.“). Damit war sie dann futsch! Jetzt kann uns das Gleiche mit der Eigenblutbehandlung passieren, wenn wir die Folgen der Novelle zum AMG bedenken. Auch wieder abwarten, Herr Zizmann? Ich vermisse auch jeglichen Widerstand gegen das tägliche Sterben be- währter Arzneimittel. Wir können es nicht allein den Pharma-Herstellern überlassen, sich dagegen zu wehren. Schließlich ist es doch unser Handwerkszeug! Es ist etwas faul in unserer Gesundheitspolitik, wenn wir wichtige Medikamente, die wir Jahrzehnte erfolgreich eingesetzt haben, heute nur über das europäische Ausland beziehen können.
Wo bleibt der Protest?!
Sollte es wahr werden, dass wir künftig kein Thymus mehr injizieren dürfen, wird es nicht lange dauern, bis uns auch die anderen Organo-Präparate genommen werden. Dann fällt eine weitere Säule unserer Existenz!
Hier – nicht im Innern – liegen die wahren Probleme für unseren Berufsstand. Die Präsidentenrunde der DDH sollte uns bei diesen Problemen nachhaltig vertreten, anstatt die Häupter ihrer „guten“ Mitglieder zu zählen und sich von deren Beiträgen bestens alimentieren zu lassen. Der Hp an der Basis muss sich für den Erhalt seiner Praxis und damit seiner Existenz ordentlich bücken. Er lebt nicht von Aufwandsentschädigungen, die ihm ein sorgloses abgehobenes Leben bescheren. Wenn er denn einmal seine Funktionäre kritisiert, ist das sein gutes Recht! So funktioniert Demokratie!
Grundsätzlich täte unserer Führungselite etwas mehr Selbstkritik und Selbst- zweifel gut. Wenn der kürzlich bei seinem Verband nicht gerade demokratisch gewählte VDH-Präsident seinen Mitgliedern droht, nicht auf „Gerüchteköche“ zu hören, da sie dann die daraus resultierenden Konsequenzen zu tragen hätten, verstehen Sie vielleicht, was ich meine. Ist man aber so abgehoben, dass man jegliche Kritik als bösartige Unterstellung versteht, sollte man kein Führungsamt bekleiden.
Jeder Berufsverband lebt von der Meinungsvielfalt. Soviel Therapieformen wir haben, soviel Ansichten gibt es auch zur Naturheilkunde und ihrer Ausübung. Dieses zu schützen, wäre Aufgabe unserer Funktionäre. Nicht die Kollegenschaft sollten sie bekämpfen, sondern diejenigen, die in der „Grauzone“ herum quacksalbern, nicht nur darüber lamentieren, sondern stets die Gesundheitsämter einschalten. Was soll die verschärfte Hp-Überprüfung, wenn Physiotherapeuten, Fußpfleger, Kosmetiker und Wellness-Behandler ungeprüft unsere Arbeit machen dürfen. Hier liegt die Gefahr für unseren Berufsstand!
Nicht aber, wenn ein Kollege eine kritische Meinung hat und diese auch äußert. Eine weitere beständige Gefahr für unsere Existenz ist die von den DDH geduldete „Bösachterei“. Sie war der Grund dafür, dass wir 1993 die „Hp-Berufshilfe“ gegründet haben. Weil es die Großverbände nicht taten, war es angezeigt, den zu Unrecht mit PKV-gefälligen Pamphleten diskreditierten Therapeuten, die damit um den Lohn ihrer Arbeit gebracht wurden, zu helfen. Wir haben das in fast 16 Jahren bisher sehr erfolgreich getan und dabei auch wichtige Prozesse für den ganzen Berufsstand gewonnen (BGH + Bverf.G). Deshalb ist uns jeder engagierte Hp willkommen, aber auch jeder, für den es ein Praxisproblem zu lösen gilt.