Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 09/2008

Liebe Mitglieder, der 17. September 2008 war ein denkwürdiger Tag.
Der Vorsitzende des EFN, Hp Peter Abels hatte nach acht Jahren wieder zum "Parlamentarischen Abend" eingeladen, sinngemäß in der Parlamentarischen Gesellschaft wenige Meter neben dem Reichstag.
Geladen waren Politiker, Pharmaproduzenten, Journalisten und von der Heilpraktikerschaft die "Bösen". Sie erinnern sich sicherlich an die Unter- scheidung, die der hochangesehene Präsident Zizmann in der Kollegenschaft trifft: Allle Hps, deren Verbände sich unter dem Dach der DDH versammelt haben, sind die "Guten", alle anderen nach Zizmann-Bewertung dumm-naiv, uneinsichtig oder für den Berufsstand zerstörerisch die "Bösen".
Doch trotzdem gab es für unseren Berufsstand fruchtbare Gespräche. Erschienen waren u.a. die Staatssekretärin im Gesundheitsministerium Frau Marion Caspers-Merk, die Patienten-Beauftragte der Bundesregierung Frau Helga Kühn-Mengel (beide SPD), sowie mehrere MdBs der Parteien SPD, FDP und Grünen. Leider waren Politiker der CDU/CSU der Einladung aus Termingründen (?) nicht gefolgt.
Die Schirmherrschaft hatte MdB Detlef Parr (FDP), stellv. Mitglied des Gesundheitsausschusses, übernommen. Dieser Ausschuß wurde auch repräsentiert von Dr. Konrad Schily, ebenfalls FDP.
Der Vorsitzende Hp P. Abels führte mit einem kurzen Vortrag in die Themen des Abends ein. Ganz nach der Devise seines Parteifreundes "Münte": kurz, präzise, immer klare Kante!
Die Schwerpunkte waren: Ausbildung in der EU, Qualitätssicherung im Berufsstand und Leistungsverweigerung in der PKV.
Je enger die EU zusammenwächst und politische Entscheidungen an Brüssel abgibt, desto drängender wird die Frage, welche Ausbildung künftig für europäische Naturheiler angezeigt ist. Unser HPG ist auf unsere Nachbarländer nicht übertragbar, soll für uns aber erhalten bleiben und nicht ausgehölt oder unterlaufen werden. So arbeitet die EFN mit ihren europäischen Mitgliedern an einem Ausbildungskonzept, das sie in Kürze vorstellen wird.

Wichtig für das Bestehen unseres Berufsstandes als zweite Säule im Gesundheitssystem ist die Qualitätssicherung unserer Praxen, sowie eine deutliche Abgrenzung zur Grauzone aller ominösen "Heiler".
Große Sorge macht die zunehmende Leistungsverweigerung der PKV für alternative Therapien und biologische Heilmittel. Die Staatssekretärin erwiderte mit einem kurzen Statement auf die vorgetragenen Punkte. Darin bekräftigte sie das Interesse der Politik sowohl an einer europäischen Ausbildungsregelung als auch an einer Qualitätssicherung für Hp-Praxen. Außerdem trug sie vor, daß sie den Antrag der Ärzteschaft, das HPG neu zu regeln, abgelehnt habe, weil sie nach wie vor der Heilpraktikerschaft einen wichtigen Stellenwert in der Patientenversorgung einräumt. Hp Abels teilte dazu mit, daß er in Korrespondenz mit dem obersten Ärztefunktionär Prof. Dr. Hoppe eingetreten sei. Dieser habe ihm versichert, die Ärzteschaft habe ihren Antrag zurückgezogen und würde ihn momentan (?) nicht weiter verfolgen.
Nach der Einladung zum kalt-warmen Buffet kam es unter den Gästen zu zahlreichen Einzelgesprächen, aus denen sich interessante und für uns fruchtbare Verbindungen ergeben können.
Wie wichtig dieser Abend für uns Hp war, wurde mehr als deutlich! Es darf nicht wieder acht Jahre dauern, bis wir unsere Gespräche mit Bundespolitikern und der befreundeten Pharma-Industrie wiederholen. In der Unterhaltung mit vielen Teilnehmern habe ich erfahren dürfen. daß ich mit "meiner Meinung" nicht allein stehe. Das spornt mich an, nicht aufzugeben in meinem Bemühen, unsere Praxen zukunftssicher zu machen. So will ich weiterhin in der EFN an einem europäischen Ausbildungskonzept mitarbeiten und für Qualitätssicherung in unseren Praxen werben. Dabei werde ich mir auch weiterhin aufbauende Kritik an den Spitzenmanagern unseres Berufsstandes erlauben und stets Mißstände schonungslos ansprechen. Denn bis wir mit der best- organisierten Ärzteschaft und den Bundesgesundheitspolitikern auf Augenhöhe sprechen und verhandeln können, bleibt noch viel zu tun. Packen wir es an! Keiner von uns - ob "gut" oder "böse" - darf abseits stehen!