Meine Meinung

von Hp Wilfried Pieper

Veröffentlicht im "Natur-Heilkunde Journal" Nr. 10/2009

Liebe Mitglieder,
jetzt, wo ich diesen Bericht schreibe, stehe ich noch immer unter dem Einfluss des Wahlergebnisses zum Bundestag. Nun soll sich ja (alles) vieles ändern unter einer neuen Koalition. Hoffentlich auch in der Gesundheitspolitik, die bisher die Naturheilkunde und uns Hp sehr stiefmütterlich behandelt hat. Es kann eigentlich nur besser werden. Als wertekonservativer Bürger der älteren Generation, der mit seiner Lebensleistung unseren Staat mit getragen hat, wünsche ich mir auch wieder mehr „Sekundär-Eigenschaften“ wie Fleiss, Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Hilfsbereitschaft, die der kleine Däumling der Linken ja einst dem Altkanzler Schmidt zur Führung eines Kz empfohlen hatte.

Nachdem ich mich nach 18 Wochen selbst aus der Klinik entlassen hatte, versuche ich jetzt, mich peu à peu durch den Haufen Post auf meinem Schreibtisch zu arbeiten, der sich dort in dieser langen Zeit an- gesammelt hat. Ganz akute Sachen hatte ich aber bereits aus dem Krankenhaus beantwortet. So fiel mir beim Sortieren das Aktiv-Forum der FH in die Hände. Erfreut las ich: QFH = Qualität Freie Hp. Endlich, dachte ich, der liebe Herr Schmidt hat es begriffen!
Umso enttäuschter war ich schon einige Zeilen weiter, als ich lesen mußte, dass es sich nur um Polemik gegen diejenigen handelt, die wirklich Qualitätsrichtlinien für unseren Beruf wollen.
Es ist richtig, dass wir Hp eine besondere Entwicklungsgeschichte haben, damit auch einen besonderen Status, mit dem es sensibel umzugehen gilt. Doch gerade da liegt aber unsere Schwachstelle, die unsere Widersacher stets nutzen, um uns zu schaden!
Wir haben keine staatlich anerkannte Ausbildung. Deshalb werden wir mit Scharlatanen und dubiosen Heilern immer wieder in einen Topf geworfen.
Wenn sich nun Präsident Schmidt auf Tacitus und Lao Tse beruft um festzustellen, dass „zu viele Gesetze Mist sind“, mag er Recht haben. Aber er verwechselt hier etwas. Niemand will mehr Gesetze, im Gegenteil, die für uns Hp gegebenen Auflagen werden vielfach in den Praxen nicht beachtet. So bringt die Zertifizierung auch keine neuen Gesetze, sondern bündelt eigentlich nur übersichtlich die vorhandenen und führt zu einem optimalen Praxismanagement.
Warum, werter Herr Schmidt, werfen so viele Anfänger in unserem Beruf nach ein – zwei Jahren wieder das Handtuch? Ganz einfach, weil sie das Praxismanagement nicht übersehen! Mit der grossen Freiheit ringsum ist ihnen also nicht gedient. Ganz ohne Korsettstangen geht es auch in unserem schönen Beruf nicht.

Beim Aufarbeiten meiner Post stiess ich u.a. auf den Leserbrief in der „Naturheilkunde 08/09“ von dem Hp Roland Leonhardt aus Penzing „Notstand in der Naturheilkunde“. Man kann jede Zeile des Kollegen zu Recht unterschreiben. Die Jahrtausend alte Naturheilkunde war noch nie so gefährdet wie jetzt.

Wie bereits oben erwähnt, wir benötigen dringend eine Wende in der Gesundheitspolitik. Sie gefährdet die Existenz unserer Praxen, wenn wir weiterhin Einschränkungen unserer Therapiefreiheit klaglos hinnehmen. Die Neuraltherapie haben wir bereits verloren. An den invasiven Therapie- formen wird immer wieder herumgeknabbert. Gerade konnten wir die Eigenblut-Therapie retten. Aber der nächste Angriff kommt bestimmt. Mit den immer wieder vorgetragenen Bedenken gegen Injektionen in Hp-Hand würden dann auch Aderlass, Baumscheidtieren, Schröpfen, Blutegeltherapie und Akupunktur für uns entfallen. Dann können wir wirklich mit dem Kollegen Leonhardt sagen: „Gute Nacht, Freunde!“
Aber man muss sich angesichts dieser Situation die Frage stellen: Wo sitzen unsere Widersacher? Was z.B. haben die Experten im BfArM gegen Homöopathie, Phytologie und naturheilkundliche Therapeuten schlechthin? Durch politische Entscheidung (keine GKV-Erstattung) sind uns viele Präparate genommen worden, weil sie aus wirtschaftlichen Gründen zurückgezogen oder verschreibungspflichtig wurden. Wenn das BfArM mit unsinnigen Entscheidungen oder Auflagen zusätzlich unsere Präparate aus dem Markt kegelt - wie jetzt nach 50 Jahren „Trophicard“ von Köhler-Pharma -, ist das schlicht nur ärgerlich. Genauso rüde ist man mit der Homöopathie umgegangen. Zunächst wurde die Indikationserläuterung untersagt.
Wem es nützen soll, ist fraglich. Vielmehr stiftet es Verwirrung. Patienten verstehen die Notwendigkeit des Medikamentes überhaupt nicht mehr. Therapeuten sind verunsichert. Neuerdings wird uns nun aufgegeben, allgemein für jedes Präparat eine festgesetzte Dosierung zu geben. Wenn schon das Verbot der Indikation unsinnig war, ist diese Auflage nahezu hirnrissig. Hier wird vorsätzlich eine erfolgreiche Therapie zum Nachteil der Patienten bekämpft. Haben die BfArM-Mitarbeiter nicht auch einen Amtseid geleistet, in dem sie geloben, zum Wohle des Volkes arbeiten zu wollen?
Wohlgesonnen ist uns auch nicht die Ärztekommsission zur Verschreibungspflicht. Ihr fällt immer wieder ein Präparat ein – wie z.B. Tham-Lösung -, das sie uns wegnehmen kann. Ebenso fragwürdig ist der Nachweis von EBM-Standards (Evidence based medicine) für die Zulassung von Medikamenten und richtet sich absolut gegen die Naturheilkunde. Die Geheimnisse der göttlichen Schöpfung „wissenschaftlich zu sichern“, ist absurd und arrogant zugleich. Mit Heilkunde hat das nichts mehr zu tun!

Der Kollege Leonhardt wünscht die Zusammenarbeit aller Funktionäre. Ich habe sie seit Jahr und Tag gefordert. Wir dürfen nicht länger untätig sein und nur abwarten wollen, bis sich alles von selbst regelt. Kommt die Aktivität nicht von der Spitze, ist eine Revolution von der Basis gefragt. Jeder von uns ist mit seinem Einsatz gefordert. Bringt Eure Funktionäre auf Vordermann, sprecht mit Politikern und Parteifreunden. Immerhin wollen 80 % aller Patienten Naturheilmittel! Damit sind wir in der Pflicht, endlich gemeinsam etwas zu tun. Sonst sage ich auch mit dem o.g. Kollegen: „Gute Nacht, Freunde!“